Welches Objektiv passt zu mir? Eine kleine Hilfestellung

Jeder steht einmal vor der Situation oder spielt mit dem Gedanken sich ein neues Objektiv kaufen zu wollen. Wenn man die verschiedenen Hersteller mit dem jeweiligen Portfolio betrachtet, verirrt man sich in ein heilloses Durcheinander zwischen Brennweiten, Lichtstärken und Preis. Doch was persönlich für einen sinnvoll ist und was man wirklich braucht, sollte doch gut überlegt sein. Ein gutes Objektiv fängt ungefähr ab 350€  an und endet im preislichen Nirwana.

Eigentlich gibt es nicht DAS universelle Objektiv das man für jede Situation nehmen kann. Es gibt einige Meinungen die davon schreiben oder sagen, dass sie ein „Immer-drauf“ Objektiv haben mit denen sie ihre persönliche Belange der Fotografie abdecken, aber nicht jeder fotografiert z.B. Portrait oder macht nur Makro Aufnahmen. „Immer-drauf“ bedeutet einfach eine Spezialisierung oder sie haben ein Objektiv darauf, dass die gesamten Spektren der Brennweite abdecken. Diese nennt man auch Universal Objektiv  oder auch als Reisezoom Objektive bekannt die in diesem Fall den Weitwinkel und Telebereich in einem Objektiv abdecken.
Es liegt also an dem Fotografen selbst was er mit seiner Fotografie machen will. Ist er mehr ein Landschaftsfotograf sind Weitwinkel Objektive die erste Wahl. Oder er ist Portrait Fotograf dann wären 50mm oder 85mm Objektive (also der Telebereich) für die jeweilige Person interessanter. Tierfotografen wollen mehr eine längere Brennweite haben wegen der Distanz zu den Tieren  und schauen sich dann eher nach Objektiven ab einer Brennweite z.B. von 200mm bis 800mm um (falls man das nötige Kleingeld für ein 800mm Objektiv hat).

Man sieht die Frage welches Objektiv nun zu mir passt muss man sich schon selber stellen. Es kommt an was man machen will, wie kreativ man sein will und wie viel Geld man zur Verfügung hat. Wie schon Anfangs erwähnt, kosten gute Objektive nicht gerade wenig und man sollte doch auch gut überlegen  in was man sein Geld investiert.
Dieser Artikel soll nicht zu tief in die technische Materie eintauchen sondern richtet sich eher an den Personenkreis der erst angefangen hat, sich mit der Fotografie zu beschäftigen. Es soll eine Art Anreiz sein, sich zu überlegen bzw. Gedanken zu machen, was man gerne mit seiner Fotografie machen möchte und sich weiter mit der Materie der Fotografie zu beschäftigen.

  • Welchen Anbieter von Objektiven soll ich nehmen?

Diese Frage ist immer eine Frage des Geldes. Was will man ausgeben, was ist man bereit für Leistung und Qualität zu zahlen. Es gibt z.B. Tamron oder Sigma die auch Objektive anbieten oft mal zu einem günstigeren Preis als es die Hersteller der Kameras es tun. Über die Qualität kann man sich streiten, man sollte aber schon bedenken das gute Qualität schon ihren Preis hat. Daher ist die Frage nach dem Anbieter eher eine Frage nach dem Budget das man zur Verfügung hat. Man sollte immer bedenken das Abbildungsstarke Objektive immer einen hohen Preis haben. Da spielt die Verarbeitung eine wichtige Rolle, sei es die Verarbeitung der jeweiligen Linsen oder die Dichtigkeit des Objektiv-Gehäuses gegen Schmutz oder Feuchtigkeit. Die Schärfe und die Abbildungsleistung spielt dabei auch eine wichtige Rolle, da dies von Herstellern doch recht verschieden sind. Teuere Objektive wie z.B. die L Serie von Canon (mit dem roten Ring am Objektiv) bietet meistens eine bessere Qualität an Schärfe und Abbildungsleistung,  als billigere Objektive. Aber alles eine Frage des Preises und ob es sich für den Anfang wirklich lohnt.

  • Was muss ich beim Kauf eines Objektivs beachten?

Nicht jedes Objektiv ist kompatibel zu den verschiedenen Kameratypen.  Es gibt doch gravierende Unterschiede die man vorab eines Kaufs wissen und bedenken sollte. Zuerst sollte man wissen, ob  es sich bei seiner Kamera um ein Vollformat Sensor (Kleinbild) hat oder eine mit einem kleineren Sensorchip wie z.B. der APS-C[1] Sensor handelt. Hintergrund ist dieser:  Vollformat Objektive passen auf Kameras mit APS-C Chip aber Objektive die für APS-C optimiert sind passen nicht auf Vollformat Kameras. Das liegt daran das der APS-C Sensor das Bild an sich um den Faktor von ca. 1,6 vergrößert im Telebereich, aber im Weitwinkel die effektive  Brennweite verkleinert Kleines Beispiel: Bei einem 50mm Objektiv hätte man bei einem APS-C Sensor ein Bild das theoretisch mit einem 80mm Objektiv gemacht wurde – 50mm x 1,6 ergibt 80mm. Die Folge wenn man ein   Objektive das für den APS-C Sensor optimiert ist an einer Vollformat Kameras benutzt, das so genannte Vignettierungen an den Rändern in den Bildern erzeugt wird. Vignettierungen erkennt man an den stark abgedunkelten Ecken die dann im Bildbereich zu sehen sind und sehr störend wirken. Wie erkenne ich nun um was es sich für ein Objektiv handelt?
Bei Canon erkennt man diese Objektive z.B.  an ihrer Bezeichnung EF-S – ein Beispiel wär das Teleobjektiv Canon EF-S 55-250mm.  Man sieht bei dem Produktnamen,  dass dieses Objektiv für eine Kamera mit ASP-C Sensor hergestellt wurde. Ein Objektiv das für das Vollformat hergestellt ist wird einfach das S weg gelassen, so dass nur ein EF bei der Produktbezeichnung steht.
Jeder Hersteller hat seine eigene Bezeichnung, für welchen Sensor Chip das Objektiv nun geeignet ist und ein Blick auf die jeweilige Homepage sollte für Klarheit schaffen.

  • Was für ein Objektiv sollte ich haben?

Eine der schwierigsten Fragen überhaupt die jeder, für sich selbst beantworten muss. Aus persönlicher Erfahrung  kann ich sagen, dass es eigentlich nicht DAS Objektiv gibt mit dem man alles machen kann. Wenn man viel in der Natur ist und gerne Landschaften aufnimmt, ist ein Weitwinkel Objektiv eine sehr gute Wahl oder wenn man kreativ arbeiten will kann man mit einem Weitwinkel auch sehr tolle Aufnahmen erzeugen. Wenn Sie mal mit einem Makro Objektiv Aufnahmen gemacht haben, werden sie auch erst merken was man damit alles Fotografieren kann. Die Palette reicht von Insekten, Blumen oder Pflanze bis sogar für Portrait Aufnahmen. Wenn sie unsicher sind, viele Fotohändler bieten an Objektive zu mieten. Nehmen sie es wahr und testen sie doch einfach mal aus was ihnen am besten liegt und welches ihrer Vorstellung entspricht. Die Lichtstärke ist auch ein wichtiger Faktor und spielt eine wesentliche Rolle. Umso kleiner die Anfangsblendenzahl umso lichtstärker ist das Objektiv. Sprich es lässt mehr Licht auf den Sensor durch. Diese Lichtstärke hat zwar ihren Preis aber ermöglicht sehr viele kreative Möglichkeiten in der Bildgestaltung und man kann noch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen fotografieren ohne auf den Blitz zu verwenden.

  • Festbrennweite oder Zoomobjektiv

Wenn sie jetzt noch vor der Frage stehen ob sie eine Festbrennweite oder lieber ein Zoomobjektiv sich zulegen wollen, da kann ich ihnen auch nur den Rat geben das sie es einfach ausprobieren. Banal gesagt bei einem Zoomobjektiv können sie ohne ihren Standpunkt zu verändern das Objektiv so hin zoomen, wie sie sich das vorstellen. Bei einer Festbrennweite wird es schon Interessanter. Da kann man nicht hin- oder wegzoomen  sondern man muss sich selber um oder zu dem Objekt bewegen. Dadurch lernt man auch Abstände besser einzuschätzen und man entdeckt bessere Winkel zu dem Objektiv, die man durch ein Zoom gar nicht so gegeben ist, da man eher fix zu dem Objekt steht. Ein weiterer Vorteil von Festbrennweite ist dieser, dass sie oft eine konstante Lichtstärke besitzen was das kreative Fotografieren ziemlich fördert und neue Möglichkeiten eröffnet.

  • Bild Stabilisator

Die Frage nach einem Objektiv mit einem Bildstabilisator ist auch wieder eine Frage bei dem sich die Geister teilen. Wenn sie schnelle Objekte fotografieren wollen wie z.B. beim Autorennen oder in der Natur Vögel oder Eichhörnchen, dann ist ein Bildstabilisator die schlechte Wahl. Warum? Stellen wir mal die Frage kurz zurück und gehen auf die Frage ein: Was macht ein Bildstabilisator eigentlich.  Schlicht gesagt er stabilisiert das Bild und beugt so verwackelte Bilder und Unschärfe vor. Der Vorteil eines Bild Stabilisators ist der, das man auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen noch Bilder frei Hand erstellen kann ohne auf den Einsatz eines Stativs zurück zu greifen zu müssen. Das Problem das sich daraus gibt dabei ist folgendes: das Bild muss erst stabilisiert werden, was wiederum zu einer leichten Verzögerung führt. Bei schnellen Objektiven stabilisiert der Bildstabilisator mit einer gewissen Verzögerung die wieder zu einer Unschärfe  führen kann. An sich ist ein Bildstabilisator kein schlechtes Ding auch wenn ich persönlich eher auf einen verzichten würde und nur in bestimmen Situationen zurückgreife, wenn es von Nöten ist. Die Bildqualität kann je nach Qualität etwas darunter leiden. Da viele neue Objektive einen immer besseren Bildstabilisator mit an Bord haben und dieser auch Wahlweise sich an- oder abschalten lässt sollte es eigentlich nicht ein gravierendes Kaufargument sein. Wenn er dabei ist kann er in manchen Situationen ein sehr guter Helfer sein und wie schon geschrieben kann man ihn auch einfach abschalten, wenn man ihn nicht braucht oder will.

Zusammenfassend kann man also sagen: es gibt nicht wirklich eine Empfehlung für ein Objektiv. Es liegt einfach an den verschiedenen Neigungen eines Fotografen und wie man das Bild an sich gestalten möchte. Man sollte aber wie bei so vielen Dingen im Leben auf den Kosten Nutzen Faktor achten. Es bringt nichts wenn man viele Objektive kauft und sie dann einfach liegen lässt. Dies wäre einfach totes Kapital und sie haben davon auch keinen Nutzen.  Es gibt immer ein Objektiv mit dem sie am liebsten Fotografieren und dieses auch die meiste Zeit auf der Kamera dann darauf montiert ist.  Finden sie es einfach selber heraus was ihnen am besten liegt.

Hier noch eine kleine Checkliste die sie bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen sollte.

  • Ich weiß was ich mit dem Objektiv anfangen möchte  oder was ich fotografieren möchte.
  • Ich hab mein Budget fest geplant und weiß was ich ausgeben will.
  • Ich leg mehr Wert auf ein gutes Preis- Leistungsverhältnis oder auf eine hohe Qualität und Güte
  • Ich weiß was für ein Objektiv auf meine Kamera passt
  • Ich will ein Objektiv, das ich immer darauf habe und ich nicht so viel Ausrüstung mit mir herum tragen muss
  • Ich will kreativ arbeiten und bin bereit auch Ausrüstung mit mir rum zu tragen.
  • Ich weiß welche Lichtstärke ich brauche und möchte

[1] Advanced Photo System Classic

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